Unser Alumnus: Patrick Eugster
Schon als Doktorand machte sich Patrick Eugster selbstständig. Heute verbindet er Unternehmertum und Bildung: Mit einem Start-up für digitale Vorsorge vermittelt er Finanzwissen und möchte so die finanzielle Bildung in der Schweiz verbessern.
Patrick, du warst lange an der Universität. Was hat dich an der Forschung gereizt und wo lag dein Fokus?
Das Doktorieren ermöglicht einem, ein Thema tief zu durchdringen und neue Erkenntnisse zu gewinnen. Genau daran hatte ich Interesse. Ich wollte Phänomene und Prozesse erforschen, die vor mir noch niemand untersucht hatte und damit einen Beitrag zur gesellschaftlichen Wissenserweiterung leisten. Insbesondere das Thema Trading faszinierte mich, also das tägliche Kaufen und Verkaufen am Markt. Dass die Wissenschaft aktives Trading als wirkungslos verwirft, während in der Realität täglich getradet wird, fand ich unbefriedigend. Mein Ziel war es, an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis zu forschen, diese Bereiche näher zusammenzubringen und die gegenseitigen Missverständnisse zu überbrücken.
Du arbeitest als selbstständiger Ökonom. Was heisst das konkret?
Nach dem Abschluss habe ich damit begonnen, Beiträge auf LinkedIn und YouTube zu posten. So wollte ich den Leuten das Investieren näherbringen. Dabei geht es mir nicht um Anlageempfehlungen, sondern um echte Wissensvermittlung: Was ist eine Aktie? Wie funktioniert ein ETF? Wie baut man eine Strategie auf und wie funktioniert eine Währungsabsicherung? Mittlerweile schreibe ich Newsletter und biete Vorträge in Unternehmen an. Ich will komplexe Themen aus dem Studium auf einfache, verständliche Weise vermitteln, einen echten Impact haben und die Finanzbildung in der Schweiz fördern. Denn obwohl wir einen führenden Bankenplatz haben, ist unser Finanzwissen erstaunlich gering.
Was sind aktuell für dich die grössten Herausforderungen?
Die Gründung meiner GmbH war sehr kompliziert und ohne mein Netzwerk nicht zu bewältigen. Schade, dass es keine Anleitung dazu gibt und einem die Administration so viel Energie raubt. Bis Ende Jahr möchte ich zudem mein gesamtes Fachwissen mit KI digitalisieren. Dann habe ich einen digitalen Sparringspartner, der exakt über mein Wissen verfügt. Die KI könnte ähnlich wie ein Assistent Text- oder Videoentwürfe auf Basis meiner eigenen Logik erstellen und die Content-Produktion um das Vier- bis Fünffache beschleunigen, ohne dass die Qualität darunter leidet.
Wie setzt du KI in deiner Arbeit sonst noch ein?
Gemeinsam mit zwei Kollegen baue ich ein Start-up, das Fachexpertise in der beruflichen Vorsorge mit KI kombiniert – denn der jährliche Pensionskassenausweis ist für die meisten Menschen unverständlich. Wieso das so ist, ist kaum nachvollziehbar. Mit unserer Lösung können Nutzerinnen und Nutzer ihren Pensionskassenausweis hochladen. Ein digitaler Assistent wertet die Daten aus und berechnet die voraussichtliche Rente sowie die Absicherung bei einer Invalidität oder einem Todesfall. Damit ersetzen wir eine teure Finanzplanung durch eine einfache digitale Lösung und senken die Hürde für eine frühzeitige Vorsorgeplanung.
Welche weiteren Ziele hast du?
Ein grosses Ziel wäre es, 100’000 Abonnenten auf YouTube zu haben. Finanziell reizt mich die Marke von einer Million Franken Jahresumsatz, einfach weil das super klingt (lacht). In den nächsten zehn Jahren möchte ich gern ein Unternehmen gründen, das auf 100 Mitarbeitende anwächst. Es wäre schön, sagen zu können, dass wir dabei 100 neue Arbeitsplätze geschaffen haben. Und im Sport möchte ich bis Ende Jahr den Querspagat lernen.
Was möchtest du Studierenden von heute mitgeben?
Ich habe oft beobachtet, wie Bank- oder Versicherungsangestellte trotz hohem Lohn unzufrieden sind. Es ist besser, weniger zu verdienen, als mit 150’000 Franken im Jahr deprimiert zu sein. Diese Energie strahlt auf das ganze Leben aus – auf die Gesundheit, den Sport und die allgemeine Lebensfreude. Findet heraus, was ihr wirklich gerne macht, und habt den Mut, diesem Weg zu folgen.