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Unsere Alumna: Myriam Ziegler

Seit 2020 leitet Alumna Myriam Ziegler das Volksschulamt des Kantons Zürich. Im Interview spricht sie über die Herausforderungen ihres Berufs, ihre Rolle als Führungskraft und ihr Herzensprojekt.

Du hast im Juni 2020 – mitten in der Covid-Pandemie – die Leitung des Volksschulamts des Kantons Zürich übernommen. Wie war das?

Der Einstieg war herausfordernd: Wir mussten die Corona-Vorgaben des Bundesrats in kürzester Zeit umsetzen und gleichzeitig unzählige Medienanfragen beantworten. Nach Corona hatte ich fast den Eindruck, irgendwas stimmt nicht, da kaum mehr Anfragen kamen. In der Krise wurde vielen bewusst, welchen zentralen Beitrag die Schule täglich leistet. Entscheidend waren damals klare Prioritäten und eine offene Kommunikation. Wir haben gelernt, flexibel zu handeln, Risiken frühzeitig einzuschätzen und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Das starke Zusammengehörigkeitsgefühl im Team war entscheidend, um die Krise zu meistern.

Wie hat sich dein Führungsverständnis in diesen Jahren entwickelt?

Mit der Erfahrung bin ich reifer und gelassener geworden und betrachte schwierige Situationen mit mehr Abstand. Ich vertraue heute stärker auf meine Entscheidungen und auf die Arbeit meiner Mitarbeitenden. Gerade in der Verwaltung braucht es Geduld und Resilienz, da politische Prozesse oft lange dauern. Deshalb ist es wichtig, das Team zu motivieren, dranzubleiben und gleichzeitig Wertschätzung und Rückhalt zu geben.

Was bewog dich, von der Finanzbranche in die Bildung zu wechseln?

Schon während des Studiums unterrichtete ich Wirtschaftsfächer. Während meiner Assistenzzeit bei Prof. Conrad Meyer an der Universität Zürich erhielt ich die Chance, die Koordinationsstelle für Weiterbildung an der UZH zu leiten. Sein grosses Vertrauen war prägend und diese Erfahrung sehr lehrreich für meinen weiteren beruflichen Weg. Nach meinem Wechsel in die Finanzbranche war ich im Personalbereich einer Grossbank tätig, wo es ebenfalls um Aus- und Weiterbildung ging. Die Bildung zieht sich also wie ein roter Faden durch meine gesamte Laufbahn.

Wenn du auf deine eigene Schulzeit zurückblickst: Was hat sich seither am stärksten verändert?

Sehr vieles. Früher unterrichtete eine einzelne Lehrperson eine Klasse, heute sind oft zwei oder mehr Personen für dieselbe Klasse zuständig. Unterrichtsformen wie Gruppenarbeiten, Projektaufträge oder Präsentationen gehören zudem von Anfang an dazu. Auch die individuelle Förderung ist deutlich stärker und die Unterstützungsmöglichkeiten sind vielfältiger. Insgesamt hat sich der Lehrberuf zu einer attraktiven Tätigkeit entwickelt, die Familie und Beruf besser vereinbaren lässt.

Welches sind aktuell die grössten Herausforderungen?

Die Volksschule ist ein Abbild unserer bunten Gesellschaft. Integration muss von Anfang an gelingen, auch wenn viele Kinder noch kein Deutsch beherrschen. Eine zentrale Frage ist daher, wie Integration und Separation ausbalanciert werden können. Die Reintegration von Schülerinnen und Schülern aus separativen Settings ist sehr anspruchsvoll und aufwendig. Es ist nicht gesichert, dass sie sich im Arbeitsmarkt etablieren können, was letztendlich auch volkswirtschaftliche Folgen hat. Auch der Fachkräftemangel und Themen wie Fremdsprachen oder Digitalisierung fordern uns. All dies verlangt nach getragenen Lösungen mit allen an der Bildung beteiligten Partnerinnen und Partnern, wie auch im politischen Kontext.

Welches Herzensprojekt möchtest du noch verwirklichen?

Sprache ist die Grundlage jeder guten Bildung, unabhängig vom Fach. Wir entwickeln deshalb zurzeit ein Sprachprojekt, das vom Kindergarten an über alle Schulstufen hinweg aufbaut. Selbst ein Mathematikbuch ist sprachlastig, weshalb die sichere Beherrschung der Sprache zentral ist.

Weiterführende Informationen

Fabienne Schaub

Myriam Ziegler

Dr. Myriam Ziegler ist Leiterin des Volksschulamts des Kantons Zürich. Sie hat Betriebswirtschaftslehre an der UZH studiert und mit dem Doktorat abgeschlossen. Nach ihrer Assistenzzeit an der UZH war sie kurz bei einer Grossbank und in der Beratung tätig, wechselte dann zum Hochschulamt des Kantons Zürich, wo sie den Aufbau der Fachhochschulen mitprägte. Später war sie im Bereich Finanzen und Controlling der Bildungsdirektion Zürich und als Leiterin des Amts für gemeindliche Schulen im Kanton Zug tätig.