Navigation auf uzh.ch

Suche

Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät

Unsere Alumni: Patrick Hohmann

Über Jahre hinweg arbeitete Alumnus Patrick Hohmann bei grossen Unternehmen als Markenspezialist. Er hatte einen sicheren Job. Doch eines Tages entschied er sich dazu, in der kasachischen Steppe nach Raketenschrott zu suchen, um daraus Uhren herzustellen. Unvernünftig? Vielleicht. Unüberlegt? Keinesfalls.

Die Holzböden im Atelier Werenbach knarren wohlig, in der Auslage sind Uhren zu bewundern, auf einem Grossbildschirm läuft ein Livestream aus dem Weltall. Und dann ist da noch der eindrucksvolle Schrott, der überall rumsteht.

Nicht irgendwelcher Schrott. Es sind Teile von russischen Sojus-Raketen, die unterwegs zur Internationalen Raumstation ISS ihr überflüssiges Material in bis zu 85 Kilometern Höhe absprengen und in die kasachische Steppe fallen lassen, wo sie Patrick Hohmann einsammelt, in die Schweiz transportiert und daraus Uhren herstellt. So weit, so beeindruckend.

Genauso beindruckend ist aber sein Erfolg auf Kickstarter: Hohmann hat mit seinem Projekt innerhalb zweier Monate 770’000 Franken über Crowdfunding generiert, während sonst bei Kickstarter nur 5 Prozent der Projekte überhaupt die 100’000-Franken-Grenze knacken.

Patrick Hohmann
Patrick Hohmann hat sein Unternehmen per Crowdfunding finanziert

Kein zufälliger Erfolg

Hohmann steigt vom Velo, betritt beschwingt das Atelier, man ist gleich per Du. Seine Augen leuchten, wenn er von seinen Uhren erzählt, von diesem grossen Abenteuer, das jeglicher Form von Ratio widersprach, das er aber trotzdem in Angriff nahm: «Ich musste es einfach tun, ich war besessen von der Idee.»

War er darum so erfolgreich? Den Erfolg auf Kickstarter erklärt er sich mit dem Einmaleins des Marketings und ein wenig Glück. Von Anfang an sei die Zielgruppe klar definiert gewesen, das Produkt stimmte, und die Story war ausgereift. Dazu kam eine clevere Vorauskampagne: «Das ist das A und O, um bei Kickstarter den Schwellenwert zu erreichen.» So sammelte Hohmann zum Beispiel im Vorfeld mit einem Wettbewerb über 5000 Adressen. Auf den ersten Blick wirkt Patrick Hohmann abenteuerlich und draufgängerisch, auf den zweiten Blick offenbart sich seine unternehmerische und strategische Seite.

Zitat Patrick Hohmann

Mehr als nur Crowdfunding

Um Bankkredite zu erhalten, benötigt man grosse Sicherheiten, Investoren überzeugt man vor allem in Branchen mit grossem Wachstumspotenzial, zum Beispiel im Technologiebereich. Sein Produkt erfüllte weder das eine noch das andere. Deshalb entschied sich Hohmann für einen anderen Weg: Crowdfunding.

Jedoch muss man auch bei Crowdfunding vorsichtig sein: «Es ist es ein riesiger Aufwand, man kann sich sehr schnell verkalkulieren, die Kosten sind enorm. Wir boten unsere Uhren zum halben Preis an.» Eigentlich sei viel mehr Geld nötig gewesen, erklärt Hohmann: «Viele vergessen, dass 20 Prozent der Einnahmen ins Marketing zu investieren sind.»

Zudem bestehe die Gefahr, dass sich der niedrige Preis bei der Community psychologisch verankert habe. Hohmann bekräftigt: «Markt ist Markt. Aber nach einem erfolgreichen Crowdfunding-Projekt hat man eine Community, auf der man aufbauen kann. Ausserdem kann man eine echte Success Story vorweisen. Das schafft Vertrauen und ist Gold wert!»

Uhr
Eine Uhr aus Weltallschrott: Das Abenteuer am Handgelenk

Digitale Strategie, echte Emotionen

«Ich fange jetzt erst langsam an, zu spüren, was für Möglichkeiten uns die digitale Vernetzung bietet. Das Potenzial ist gewaltig. Und ich bin felsenfest davon überzeugt, dass sich dieser Siegeszug nicht aufhalten lässt. Deshalb wird die Firma auf Chancen und Risiken der Digitalisierung getrimmt», stellt Hohmann klar. Die Website werde zum Kommunikations- und Vertriebskanal, zum digitalen Zuhause für die Community und zum wichtigsten Ort, an dem die Produkte vorgestellt werden: «Nur auf der Website können sich Interessierte ihr Zifferblatt mit Brandspuren der Rakete selbst auswählen und so ein echtes Einzelstück erwerben.»

Ziel ist es, die bestehende Community auszubauen und noch stärker an die Marke zu binden, um Markenbotschafter zu kreieren, die die Geschichte von Werenbach in die Welt tragen. Mag das Instrumentarium digital sein, der Inhalt bleibt emotional. Denn was Werenbach ausmacht, ist die Geschichte, sind die Emotionen. Hohmann verkauft keine Uhren, sondern das Abenteuer am Handgelenk.

Weiterführende Informationen

Patrick Hohmann

Der Uhrenbauer

Patrick Hohmann studierte Betriebswirtschaft an der UZH und arbeitete bis 2012 als Markenspezialist, bevor er mit seiner Idee, Uhren aus Raketen zu produzieren, die Werenbach AG gründete und per Crowdfunding 770’000 Franken für seine Idee gewinnen konnte.

Oec. Magazin

Auszug aus dem Oec. Magazin, Ausgabe 8, November 2017.

Autor: Mauro Werlen

Bilder: Rodolfo Sacchi