Unsere Alumna: Maria Ugolkova

Alumna Maria Ugolkova schwimmt derzeit auf einer Erfolgswelle: Als beste Schwimmerin der Schweiz beeindruckt sie auf internationaler Ebene mit Spitzenresultaten. Während eines Wettkampfs in Kazan (Russland) sprach sie mit dem Oec. Magazin über ihr Erfolgsrezept, Erinnerungen an die Studienzeit und Pläne für die Zukunft.

Sie sind in Russland aufgewachsen, als Jugendliche in die Schweiz gezogen und international für Wettkämpfe unterwegs. Wo fühlen Sie sich zu Hause?
Ich würde sagen in der Schweiz. Da ich in der Romandie, dem Tessin und der Deutschschweiz gelebt habe, verbinde ich auch mit den verschiedenen Landesteilen unterschiedliche, positive Erinnerungen. Aber am meisten zu Hause fühle ich mich natürlich im Wasser (lacht).

Momentan konzentrieren Sie sich voll auf den Sport. Wie muss man sich Ihren Alltag vorstellen?
Normalerweise stehe ich um 6 Uhr morgens auf, nehme ein leichtes Frühstück zu mir und starte um 7.20 Uhr mit einem zweistündigen Training. Danach folgen ein kleiner Lunch, etwas Entspannung sowie eine weitere zweistündige Trainingseinheit am späten Nachmittag. Hinzu kommen drei Mal pro Woche Krafttraining, Physiotherapie sowie administrative Arbeiten wie E-Mails bearbeiten oder Treffen mit potenziellen Sponsoren.

Wie haben Sie Sport und Studium unter einen Hut bringen können?
Das war in der Tat sehr anstrengend. Schwimmen kostet enorm viel Energie: Nach einem intensiven Training ist man sehr müde und will sich hauptsächlich ausruhen. Dennoch musste ich zu Vorlesungen gehen und mich dort konzentrieren – und versuchen wach zu bleiben, was ehrlich gesagt nicht immer gelang (lacht). Zum Glück konnte ich aber auf viel Material online zugreifen, was für mich ein grosser Vorteil war.

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit der Universität Zürich?
Auch wenn ich nicht so viel Zeit auf dem Campus verbringen konnte, war ich doch von Anfang an fasziniert von den schönen, klassischen Gebäuden inmitten von Zürich. Auch habe ich viele Freundschaften geschlossen in dieser Zeit. Ansonsten haben sich vor allem die Prüfungen in meine Erinnerung eingebrannt – Wettkämpfe zu schwimmen ist ja so viel einfacher als schriftliche Prüfungen!

Wie konnten Sie im Sport vom Studium profitieren – und umgekehrt?
Als Spitzensportlerin ist man enorm arbeitsorientiert, kompetitiv und möchte Erfolg haben. Qualitäten, die sowohl im Studium als auch im Beruf sehr hilfreich sind. Gleichzeitig hat man eine hohe Resilienz und bricht nicht gleich zusammen, wenn mal etwas nicht nach Plan läuft. Auf der anderen Seite ist es aber auch wichtig sich bewusst zu werden, dass es noch andere Dinge gibt als Sport. Manche Menschen sind sehr in ihrem Umfeld verhaftet und verpassen dadurch andere Teile des Lebens. Ich liebe die Vielfalt, Sport und Studium haben sich daher ideal ergänzt. Auch schätze ich es sehr, viele gute Freunde ausserhalb des Sports zu haben. Das relativiert vieles. Daher mein Tipp: Don′t stay in your bubble.

Wie gehen Sie mit Misserfolg um?
Bei einem Misserfolg analysiere ich, was konkret schiefgelaufen ist, ohne dabei zu tief und zu lange in Gefühle wie Niedergeschlagenheit zu driften. Es ist enorm wichtig, weiterzuarbeiten und den Fokus zu behalten. Erfolg muss verdient sein! Das heisst: Kopf runter und weiterarbeiten. Das Leben beginnt ausserhalb der eigenen Komfortzone.

Wie dürfen wir uns die Zeit nach Ihrer Schwimmkarriere vorstellen?
Den ganzen Tag im Büro zu sitzen, kann ich mir weniger vorstellen. Ich möchte vielmehr einer Tätigkeit nachgehen, bei der ich mit Menschen zu tun habe, viel unterwegs bin, und im besten Fall mit Sport oder Wasser verbinden kann. Aktuell plane ich aber nicht wirklich, sondern geniesse einfach den Moment. Das Leben hat stets seine eigene Art, Möglichkeiten zu präsentieren.