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Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät

Unser Alumnus: Beat Hedinger

Alumnus Beat Hedinger lebt seinen Traum. Er ist Militärpilot, fördert den Nachwuchs bei SPHAIR und hat bei Auslandeinsätzen im Balkan an seiner Dissertation geschrieben.

Eine provokante Frage zum Einstieg: Wozu braucht es in der Schweiz Berufsmilitärpiloten?

Wir Berufsmilitärpiloten verteidigen die Schweiz und bilden eine wichtige Ergänzung zu den bestehenden Dienstleistungen von Polizei und Rega. Wir leisten beispielsweise Helikopter-Pikettdienst für die Personensuche, Katastrophenhilfe und Search and Rescue. Bei Waldbränden setzt man beispielsweise zuerst zivile Helikopter ein, diese können aber nur 500 Liter Wasser pro Wurf führen – unsere 2,5 Tonnen. Oder bei einem Sucheinsatz zieht der Rega-Helikopter nach spätestens einer Stunde ab – danach übernehmen wir. Dank unseren Infrarotgeräten können wir solche Einsätze auch nachts fliegen. Mit den Berufsmilitärpiloten hat der Staat eine strategische Reserve für solche Einsatzbereiche, weil es nicht ökonomisch wäre, sie zivil zu betreiben. Wenn wir ein sicheres Land bieten wollen, dann müssen wir investieren. Seit dem Konflikt in der Ukraine ist das deutlich geworden.

Ursprünglich haben Sie eine ganz andere Ausbildung absolviert. Sie haben nämlich Betriebswirtschaft studiert. Wieso das?

Ich wollte als Kind immer Pfadiführer werden. Ich wollte organisieren, optimieren, zusammenhalten, weiterbringen. Da lag das Wirtschaftsstudium auf der Hand, insbesondere Management und Economics, das die besten Seiten von VWL und BWL kombiniert.

Wie viel vom Gelernten können Sie heute noch anwenden?

Sehr viel. Insbesondere als Geschäftsleiter von SPHAIR und Kommandant der Helikopterausbildung der Luftwaffe muss ich sehr analytisch und ganzheitlich denken, was ich in VWL-Vorlesungen gelernt habe. Aus der BWL wende ich Rechnungswesen und Marketing an – und auch das wissenschaftliche Arbeiten, wenn ich ein Konzept erstelle oder ein Projekt aufgleise.

Würden Sie heute also nochmals die gleiche Studiumswahl treffen?

Unbedingt, und als zweites Studium Psychologie. Vor allem das Interdisziplinäre hat mich interessiert. Meine Dissertation habe ich an der Schnittstelle zwischen Psychologie und Ökonomie geschrieben. Dieser Bereich ist auch in der Arbeit sehr wichtig, weil wir mit Menschen und nicht mit Maschinen oder Grosskonzernen arbeiten.

Als Militärpilot waren Sie auch mehrfach im Ausland stationiert. Was haben Sie dort erlebt?

Meinen Höhepunkt hatte ich in Griechenland im Jahr 2015: Da durfte ich ein Dorf vor den Flammen retten. Es gibt nichts Erfüllenderes als das. Alles, was ich bisher gelernt und gemacht hatte, hat sich gelohnt. Es war auch sehr eindrücklich, die zerstörten Dörfer in Bosnien vom Helikopter aus zu sehen. Diese Bilder gehen einem sehr unter die Haut. Es ist anders, als sie im Fernsehen oder in der Zeitung zu sehen. Und man weiss genau, was es zu verhindern gilt.

Als Ausbildner arbeiten Sie vor allem mit Nachwuchspilot:innen. Was ist das Besondere daran?

Ich darf meine Leidenschaft vermitteln. Am Anfang eines SPHAIR-Kurses habe ich Mädels und Jungs, am Schluss sind es junge Erwachsene. Sie lernen so viel Selbstständigkeit und Selbstvertrauen: Wenn ein junger Mensch mit strahlenden Augen am Steuer eines Flugzeuges sitzt und dabei eigene Entscheide fällt, ist das unbezahlbar. Am Schluss eine Empfehlung aussprechen zu können, dass sie oder er Militär- bzw. Linienpilot:in werden darf, ist natürlich das Schönste.

Welchen Rat haben Sie an die junge Generation von heute?

Versuch zu verwirklichen, wovon du träumst. Denn man weiss nie, ob man es kann, wenn man es nicht probiert. Unsere Kernbotschaft ist: Wenn du vom Fliegen träumst und du es nicht versuchst, hast du keine Gewissheit. Bei der Ökonomie ist es genauso.

Welche eigenen Träume möchten Sie noch verwirklichen?

Ich möchte noch mehr die Welt bereisen – auf möglichst einfache Art und Weise. Es gibt so viele interessante Orte und Menschen auf dieser Welt.


Autorin: Graziella Bomio
Bilder: Peter Hauser

Weiterführende Informationen

Beat Hedinger

Beat Hedinger

Beat Hedinger ist in einer Fliegerfamilie aufgewachsen. Seine Mutter war die erste Jetpilotin der Schweiz. Um sich von seinen Eltern zu unterscheiden, wollte er als Militärpilot fliegen. Während seiner Dissertation war er bereits Berufsmilitärpilot und auch im Ausland stationiert. Seit 2007 ist er Geschäftsleiter von SPHAIR, einem Praktikumsprogramm für Nachwuchspilot:innen.

Oec. Magazin

Auszug aus dem Oec. Magazin, Ausgabe 19, Juni 2023.