Wissenschaftlicher Nachwuchs

Eine wichtige Aufgabe der Fakultät ist die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Zurzeit studieren an unserer Fakultät über 3'400 Studierende im Major-, rund 900 Studierende im Minor-Studienprogramm und rund 380 Doktoratsstudierende. Zudem lehren und forschen bei uns zahlreiche Postdocs und Assistenzprofessoren.

Nachwuchsförderung durch Semester-, Jahrespreise und FAN Awards

Alle Fakultäten der UZH sind berechtigt, jedes Semester hervorragende Arbeiten mit einem Semesterpreis im Betrag von je CHF 600 auszuzeichnen.

Semesterpreis

Pro Kalenderjahr kann jede Fakultät der UZH kann eine hervorragende wissenschaftliche Arbeit oder Dissertation mit dem Jahrespreis von CHF 5‘000 auszeichnen.

Jahrespreis

Innovative Forschung von morgen beginnt mit den Nachwuchsforschenden von heute. Der Graduate Campus (GRC) und der Fonds zur Förderung des akademischen Nachwuchses (FAN) von UZH Alumni möchten deshalb die herausragenden Leistungen der jungen Forschenden an der Universität Zürich (UZH) würdigen und sie verstärkt ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken.

FAN Awards

Gerne stellen wir Ihnen nachfolgend einzelne Preisträgerinnen und Preisträger unserer Fakultät vor.

Zichao Zhang

me

Jahrespreis 2021 für Dissertation

«Active Robot Vision: From State Estimation to Motion Planning»

Interview with Zichao Zhang about his PhD thesis at the Department of Informatics (English only):

What is your thesis about?

My thesis is about exploiting the active nature of mobile robots to improve the robustness of vision algorithms in challenging situations, such as difficult lighting conditions and textureless environments.

What is the main result?

The thesis demonstrates that the robustness of vision algorithms for mobile robots can be greatly improved by making the robot active in various aspects, from changing the camera parameters to moving to better viewpoints. A set of algorithms are designed and tested. In essence, more informative sensor data can be collected by an active agent, resulting in better performance.

What has inspired you to choose this topic?

My research started from studying visual simultaneously localization and mapping (SLAM), which usually focuses on information processing rather than collection. When applying visual SLAM to actual robots, I was fascinated by the possibilities and challenges of making use of the active nature of mobile robots, which inspired my research in active robot vision.

What are you planning to do with the CHF 5000?

I do not have a plan yet. Maybe I would use it for traveling when things get back to normal.

Robin Schnider

me

Jahrespreis 2020 für Dissertation

«Macro-, Meso-, and Micro-Level Perspectives on Corporate Social Responsibility and Pro-Social Behavior»

Interview mit Robin Schnider über seine Dissertation am Institut für Betriebswirtschaftslehre:

Worum geht es in Ihrer Arbeit?

Gerade im Angesicht globaler Herausforderungen wie dem Klimawandel, Ungleichheit oder Armut, fordern Gesellschaften immer stärker von Unternehmen, soziale Verantwortung über gesetzliche Bestimmungen hinaus zu übernehmen und sich für das Allgemeinwohl zu engagieren. 

In meiner Arbeit habe ich unter anderem untersucht, wie die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen im öffentlichen Dialog bestimmt werden kann und wie die Meinungsbildung durch solche Dialoge über soziale Medien beeinflusst wird. 

Im Rahmen eines der Experimente wurden Teilnehmer gebeten, sich ein YouTube-Video einer Diskussion zwischen Experten und anderen Studienteilnehmern zum Thema globaler Steuervermeidung durch Unternehmen anzuschauen und die Legitimität solcher Praktiken zu beurteilen. In der Kommentarsektion unter dem Video befanden sich vorbereitete Kommentare, die sich entweder positiv oder negativ zur Steuervermeidung äusserten. Es hat sich gezeigt, dass unabhängig von den per Video präsentierten Inhalten (z.B. befürwortender vs. kritischer Experte), sich das Urteil der Kommentare von anonymen Nutzern auf Social Media bei der Meinungsbildung durchsetzt. Das besorgniserregende dabei ist, dass dieser Einfluss unbewusst zu wirken scheint. So schätzen die Teilnehmer selber den Einfluss der Kommentare im Vergleich zu den anderen Inhalten am geringsten ein. Diese Ergebnisse rufen zu mehr Vorsicht und einer bewussteren Nutzung von sozialen Medien auf.

Was hat Sie zu dem Thema motiviert?

Als ich mit meinem Studium der Wirtschaftswissenschaften begonnen habe, hatte ich die Möglichkeit das World Resources Forum 2009 in Davos zu besuchen und hörte dort einen Vortrag von Dennis L. Meadows, Ökonom und Mitglied des Club of Rome, der aus den Einsichten seines Buches «Limits to Growth» erzählte. Recht eindrücklich machte er deutlich, wie wir mit exponentiellem Wirtschaftswachstum und überbordenden Ressourcenverbrauch die Erde bereits an den Rand eines Kollapses gefahren haben und Probleme wie der Klimawandel nur eine der Konsequenzen davon seien. Eine gewisse Endzeitstimmung machte sich im Saal bemerkbar und während meines Studiums suchte ich nach möglichen Antworten darauf, wie die Wirtschaft solche globale Probleme vorbeugen könnte. Ich bin auf einige interessante Ideen gestossen und wollte diese in meiner Forschung weiter vertiefen.

Was haben Sie mit den 5000 Franken vor?

Das Preisgeld und die Auswirkungen der gegenwärtigen Situation rund um COVID-19 auf den Aktienmarkt habe ich als Ansporn dafür genommen, mich genauer mit Investitionsmöglichkeiten zu beschäftigen. Das Geld habe ich inzwischen an der Börse angelegt. Ich bin jetzt schon dankbar für die neuen Erfahrungen, die ich dadurch gemacht habe. Vielleicht kann ich mir in Zukunft etwas davon leisten, ansonsten bin ich wenigstens um einige Erfahrungen reicher.

Nicolas Lütscher

me

Semesterpreis FS 2019 für Masterarbeit

«Predicting the Innovation Performance of Startups»

Interview mit Nicolas Lütscher über seine Masterarbeit am Institut für Betriebswirtschaftslehre:

Worum geht es in Ihrer Arbeit?

In der Arbeit untersuchte ich, ob mit neueren Machine Learning Algorithmen in den Gründungsdaten von Start-ups ein stärkeres Schemata erkannt werden kann als mit der herkömmlichen Methode der Logistischen Regression – und damit die Chance für eine Produktinnovation erhöht. Aufgrund des Aufbaus des Dataset und der Aufgabe für den Algorithmus habe ich diverse neuere Techniken untersucht, wobei Extreme Gradient Boosting die beste Performanz für das unterliegende Problem zeigte. Neue Produkte auf den Markt zu bringen bedeutet für ein Start-up oft eine bessere Marktposition gegenüber den anderen Akteuren im Wettbewerb. Deshalb kann es für einen Investor oder ein Finanzierungsinstitut zentral sein, diese Start-ups auszusortieren, die dafür die wahrscheinlichere Veranlagung bei der Gründung besitzen. Die Arbeit zeigt, dass die Auswahl der richtigen Technik entscheidend ist, um die Suchkosten und die Kosten durch nicht rentable Investitionen für solch einen Investor zu minimieren. Extreme Gradient Boosting konnte dabei ein besseres Ergebnis erzielen als die herkömmliche logistische Regression.

Was hat Sie zu dem Thema motiviert?

Zum einen interessiert mich die Welt der Start-ups. Es gibt so viele noch nicht erkanntes Potenzial in der heutigen Welt. Durch die Arbeit konnte ich einen Weg untersuchen, wie solche Potenziale in Jungunternehmen besser erkannt werden können. Dadurch lernte ich sehr viel über die Sicht eines Venture Capitalist und deren Prozesse, wie und warum in ein Start-up investiert wird. Zudem motiviert hat mich der technische Aspekt und Spielraum. Ich konnte sehr viel mit den Algorithmen spielen und hantieren, um immer noch ein besseres Resultat zu erzielen. Schlussendlich konnte ich mein eigenes Set an Parameter und Messgrössen aufbauen. Dadurch lernte ich vor allem den Umgang mit Daten und deren Qualität noch einmal an einem praktischen Beispiel.

Was haben Sie mit den 600 Franken vor?

Damit wird sicher ein feines Essen, mit einem guten Wein in einer guten Gesellschaft finanziert. Den Rest werde ich zum Reisen verwenden.

Jeffrey Yusof

me

Semesterpreis FS 2018 für Masterarbeit

«Perception of Inequality and Populist Attitudes»

Interview mit Jeffrey Yusof über seine Masterarbeit am Institut für Volkswirtschaftslehre:

Worum geht es in Ihrer Arbeit?

In meiner Arbeit untersuche ich, ob Leute, die eine stärkere Wahrnehmung der Einkommensungleichheit haben, dazu tendieren, populistische Einstellungen anzunehmen. Um einen kausalen Zusammenhang festzustellen, habe ich in einem Onlineexperiment die subjektive Wahrnehmung der Ungleichheit versucht zu manipulieren. Der einen Hälfte der Teilnehmer (Treatmentgruppe) habe ich Informationen zur Einkommensungleichheit gegeben, während die andere Hälfte der Teilnehmer (Kontrollgruppe) keine Informationen erhielten. Diese Manipulation bewirkte eine signifikante Änderung in der Wahrnehmung von Einkommensungleichheit. Im Vergleich zur Kontrollgruppe empfanden Teilnehmer der Treatmentgruppe Einkommensungleichheit als ernsteres Problem und schätzten sich relativ ärmer ein. Zudem verschlechterte sich auch ihr emotionaler Zustand. Jedoch scheinen diese Teilnehmer keine stärkeren populistischen Einstellungen zu zeigen. In anderen Worten führte meine Manipulation weder zu weniger Vertrauen in die Regierung, die Elite oder die Wissenschaft noch zu mehr Fremdenfeindlichkeit gegenüber Immigranten. Ich interpretiere die Resultate so, dass die Teilnehmer weniger die Elite oder Immigranten sondern eher sich selber für ihre wirtschaftliche Situation verantwortlich machen.

Was hat sie zu dem Thema motiviert?

In meiner Arbeit versuchte ich zwei Themen zu verbinden, die mich beide zurzeit beschäftigen: Einerseits die zunehmende Einkommensungleichheit und andererseits der wachsende Zuspruch für populistische Parteien in vielen Teilen der Welt. Ich war neugierig, ob zwischen den beiden Phänomenen womöglich ein kausaler Zusammenhang bestehen könnte.

Was haben Sie mit den 600 Franken vor?

Ich werde mir auf jeden Fall ein gutes Nachtessen gönnen. Den Rest werde ich wahrscheinlich für Ferien ausgeben.

Philipp Pauli

Semesterpreis FS 2018 für Masterarbeit

«Till Schedules Do Us Part. An Empirical Analysis of Flexible Work Arrangements and Teamwork»

Interview mit Philipp Pauli über seine Masterarbeit am Institut für Betriebswirtschaftslehre:

Worum geht es in Ihrer Arbeit?

Flexible Arbeitsmodelle sind keine neue Erfindung – es gab sie bereits in den 60er Jahren. Doch während sie damals noch als Experiment galten, sind sie heute äusserst populär und weitverbreitet. Arbeitgeber versprechen sich nebst gesteigerter Attraktivität ihres Unternehmens auch finanzielle Vorteile. Mit der zunehmenden Vernetzung von Arbeitsprozessen ist zeitgleich zu beobachten, wie Arbeitgeber nach Kandidaten mit ausgeprägten Soft-Skills im Bereich Teamwork suchen.
Meine Arbeit untersucht welche Auswirkungen die individuelle Flexibilität in Form flexibler Arbeitsmodelle auf Teamwork als Arbeitsform hat. Zu diesem Zweck analysiere ich Daten einer Arbeitnehmerbefragung aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Was hat sie zu dem Thema motiviert?

Wie so mancher Student, setzte ich mich gegen Ende meines Studiums vermehrt mit Stelleninseraten auseinander. Dabei stiess ich immer wieder auf die oben beschriebenen Punkte, wodurch irgendwann in mir die Frage aufkam, ob da nicht ein gewisser Zielkonflikt besteht.

Was haben Sie mit den 600 Franken vor?

Als schöne Erinnerung an meine Studienzeit möchte ich mir von diesem Geld eine neue Uhr kaufen.

Bruno Caprettini

me

Fan Award 2018 für Dissertation

"Structural Change and Agricultural Technology"

Gemeinsam mit zwei Mitautoren ist Bruno Caprettini einer zentralen Frage der Ökonomie nachgegangen: Wie industrialisieren Länder? Zum einen ging es in seiner Studie um den strukturellen Wandel in Brasilien. Die Einführung von gentechnisch verändertem Soja-Saatgut im Jahre 2001 veränderte die Produktionsbedingungen in der Landwirtschaft stark: Wo es die Bodenbeschaffenheit zuliess, konnte das neue Saatgut verwendet werden, was den Arbeitsaufwand für Saat und Ernte deutlich verringerte.

Die Forschenden verglichen verschiedene Regionen Brasiliens. Dabei zeigte sich: Wurde in einer Gegend gentechnisch verändertes Soja angebaut, waren dort weniger Arbeitskräfte in der Landwirtschaft nötig. In der Folge suchten mehr Personen in der Industrie Arbeit. Dies ging langfristig mit einer höheren ökonomischen Wertschöpfung einher.
 
Ähnliches zeigt die Analyse historischer Daten in England um 1800. Im Video erklärt er, warum Innovationen in der Landwirtschaft den Wandel von einer Agrar- zu einer Industriewirtschaft beschleunigen können.

Jason Blunier

me

Semesterpreis 2018 für Bachelorarbeit

Spillover Effects of Universities of Applied Sciences on the Labor Market: An Econometric Analysis of a Policy Reform in Switzerland»

Jason Blunier, einer der Preisträger, erzählt im Kurzinterview worum es in seiner Bachelorarbeit geht:

What is your thesis about?

In the mid-1990s the Swiss federal government undertook an educational reform by establishing Universities of Applied Sciences (Fachhochschulen) with the purpose of strengthening and reinvigorating the Swiss education system and the Swiss economy. One of the main goals of the UAS was to foster innovation and to provide a steady supply of individuals with higher education.

Much is known about the positive effect of higher education for these individuals themselves and for the economy, but little about how low-skilled workers (i.e., workers without any formal qualifications) are affected by the expansion of higher education.

My thesis tackles this issue by investigating the effect of the establishment of UAS on the employment stability of low-skilled workers at the firm level.

What's the main result?

My empirical results show that workers with higher education and low-skilled workers are complements. The establishment of UAS had on average positive effects on the employment stability of low-skilled workers within a firm.

What has inspired you to choose this topic?

During my Bachelor I have always been interested in economics of education. Furthermore, I like to apply econometric methods to analyze policy changes. This led me to the projects of the Swiss Leading House on Economics of Education at the chair of Prof. Dr. Uschi Backes-Gellner, who offered and supported me to work on this very interesting research topic.

What are you planning to do with the CHF 600?

Part of the money I will use to invite my friends to dinner and the remaining money I will save for my next vacations.

Dr. Timo Mennle

me

Mercator Award 2017 für Dissertation

"Incentives and Efficiency in Markets without Money"

Märkte ohne Geld

Es gibt Dinge, die kann man nicht kaufen: Plätze an öffentlichen Schulen etwa oder Zugang zu sozial gefördertem Wohnraum. Solchen «Märkten ohne Geld» hat Timo Mennle seine Dissertation am Institut für Informatik gewidmet. Er ging der Frage nach, wie sich Güter auf solchen Märkten sinnvoll verteilen lassen, wenn Geld aus moralischen oder ethischen Gründen keine Rolle spielen darf.

Wenn beispielsweise in einer Stadt 1000 angehende Gymnasiasten auf zehn Gymnasien verteilt werden müssen, widerspricht es unsere moralischen Vorstellungen, dass Eltern mit genügend Geld den jeweiligen Wunschplatz für ihren Sohn oder ihre Tochter kaufen können. Städte und Gemeinden setzen deshalb unterschiedliche Vergabeverfahren ein, um die Präferenzen der Eltern zu ermitteln und die Plätze zu verteilen.

Je nach Verfahren besteht allerdings die Gefahr, dass einige Teilnehmer sich durch unwahre Angaben einen Vorteil verschaffen können – etwa indem sie ihre Wertschätzung für ihre zweite Wahl übertreiben. «Die große Herausforderung von «Märkten ohne Geld» besteht in der mathematisch beweisbaren Tatsache, dass es kein Vergabeverfahren gibt, welches hohe ökonomische Effizienz und Fairness sicherstellen und gleichzeitig verhindern kann, dass sich Teilnehmer durch unwahre Angaben einen Vorteil verschaffen können», sagt Timo Mennle.

In seiner Dissertation hat er diesen Zielkonflikt untersucht und einen Indikator entwickelt, mit dem sich beschreiben lässt, wie verwundbar unterschiedliche Vergabeverfahren gegenüber strategischen Lügen durch Teilnehmer sind. Darüber hinaus hat Mennle in seiner Arbeit aufgezeigt, wie sich die Regeln in «Märkten ohne Geld» in Zukunft so umbauen lassen, dass mehr Teilnehmer die Güter bekommen, die sie wirklich wollen.

Zur Dissertation (PDF, 2 MB)

Zur Videopräsentation

Dr. Mirjam Rinawi

me

Jahrespreis 2017 für Dissertation

In ihrer Dissertation untersuchte die Jahrespreisträgerin mithilfe neuer ökonometrischer Methoden die Erträge der Lehrlingsausbildung.
 

Für ihre Dissertation am Institut für Betriebswirtschaftslehre «Returns to Vocational Education and Training: Retention, Mobility, and Wages» wurde Dr. Miriam Rinawi von der Universität Zürich mit dem Jahrespreis 2017 ausgezeichnet. Frau Rinawi untersucht in ihrer Dissertation mithilfe neuer ökonometrischer Methoden die Erträge der Lehrlingsausbildung. Sie zeigt, dass ein Lehrabschluss sehr gute Erträge ermöglicht und eine hohe Mobilität sowie technologische Anpassungsfähigkeit im gesamten Erwerbsleben eröffnet. Sie findet ausserdem, dass sich Investitionen in die Lehrlingsausbildung auch für Ausbildungsbetriebe lohnen.

Zur Dissertation

Lessis Konstantinos

me

Semesterpreis HS 2016 für Masterarbeit

«Falschbewertung mit Folgen – Ursachen für das Fehlverhalten der Ratingagenturen in der jüngsten Finanzkrise«

Interview mit Konstantinos Lessis über seine Masterarbeit am Institut für Banking und Finance:

Worum geht es in Ihrer Arbeit?

Die Ratingagenturen spielten in der Entstehung der Finanzkrise 2008 eine zentrale Rolle. Ihre Ratings ermöglichten die Überflutung des Finanzmarkts mit hochriskanten Finanzprodukten. In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit der Frage, wieso die Ratingagenturen toxische Produkte mit inflationären Ratings bewerteten. Die Fragestellung wird dabei aus zwei Perspektiven betrachtet. Einerseits aus der Makroperspektive, wobei der Fokus auf der unternehmerischen Ebene liegt und andererseits aus der Mikroperspektive, in der im Gegensatz zur Makroperspektive die involvierten Individuen  und psychologische Phänomene im Vordergrund stehen.

Was hat sie zu dem Thema motiviert?

Ausschlaggebend für meine Entscheidung, mich mit der Thematik der Finanzkrise zu befassen, war die Vorlesung „Verantwortung in den Finanzmärkten – Eine interdisziplinäre Perspektive“. Die Art und Weise, wie die Finanzkrise aus mehreren Perspektiven betrachtet wurde, inspirierte mich zu einer zweiseitigen Ursachenermittlung der Überbewertungen. Die schwerwiegenden Folgen der Finanzkrise zeigen zudem, wie wichtig die Auseinandersetzung mit den einflussreichen Ratingagenturen ist.

Was haben Sie mit den 600 Franken vor?

Mit einem Teil des Geldes habe ich Kollegen, mit denen ich das Wirtschaftsstudium abgeschlossen habe, zum Essen eingeladen. Mit dem restlichen Betrag werde ich meinen Eltern als Dankeschön eine kleine Reise finanzieren.

Zur Masterarbeit

Silvia Ursula Maier

me

Semesterpreis FS 2016 für Doktorarbeit

«Mastering temptation: Behavioral, neural and physiological investigations of self-control in goaldirected choice»

Interview mit Silvia Maier über ihre Doktorarbeit in Neuroökonomie am Institut für Volkswirtschaftslehre:

Worum geht es in Ihrer Arbeit?

Selbstkontrolle ist eine Schlüsselkompetenz, die entscheidenden Einfluss auf den Lebenserfolg einer Person hat. Im Schnitt verfügen Menschen mit besserer Selbstkontrolle über grösseren Bildungserfolg, mehr finanzielle Stabilität und bessere Gesundheit. In meiner Forschung untersuche ich, welche neuronalen Mechanismen zu erfolgreicher Selbstkontrolle beitragen. Wie gut sich eine Person selbst beherrscht ist allerdings zwischen Individuen sehr unterschiedlich, und selbst die gleiche Person kann diese Fähigkeit je nach Situation unterschiedlich gut abrufen.

In meiner Doktorarbeit habe ich erstens getestet, ob eine bestimmte Hirnregion kausal notwendig ist um Selbstkontrolle erfolgreich ausüben zu können. Zweitens hat mich interessiert, warum sich Stress negativ auf unsere Selbstkontrolle auswirkt. Und drittens habe ich erforscht, wie man die Selbstkontrollfähigkeiten einer Person besser vorhersagen kann. Es hat sich gezeigt, dass die Herzratenvariabilität als Biomarker dienen könnte: Je flexibler sich der Herzschlag an Herausforderungen anpassen kann, desto besser ist auch die Selbstkontrolle.

Was hat sie zu dem Thema motiviert?

Als Neuroökonomin bewege ich mich an einer Schnittstelle zwischen neurowissenschaftlicher Grundlagenforschung und ökonomischen Fragestellungen, die in letzter Konsequenz ganze Gesellschaften betreffen. Dieser Dialog zwischen den Disziplinen ist sehr spannend – zum einen weil es mich fasziniert, zu erforschen wie unser Gehirn funktioniert, aber zum anderen auch weil diese Schlüsselkompetenz der Selbstkontrolle, die ich untersuche, weitreichende Einflüsse hat. Selbstkontrolle ist eine komplexe Fähigkeit, die aus vielen Bauteilen besteht. Ich möchte gerne eine bessere Theorie und Prognosemöglichkeiten entwickeln, worin diese Fähigkeit besteht und wie jemand sie verbessern kann.

Was haben Sie mit den 600 Franken vor?

Die wandern erst einmal aufs Sparbuch. Ich plane meinen nächsten Postdoc im Ausland zu machen, da ist eine kleine Rücklage für Heimflüge nach Zürich sehr nützlich.

Zur Doktorarbeit