3 Fragen an Prof. Sandro Ambühl

Sandro Ambühl ist seit dem 2. Januar 2020 Assistenzprofessor für Behavioral Economics of Financial Markets am Institut für Volkswirtschaftslehre. In einem Kurzinterview beantwortet er, was er in Forschung und Lehre erreichen möchte.

Wo liegen Ihre Forschungsschwerpunkte?

Ein wichtiger Schwerpunkt meiner Forschung liegt in der Qualität von individuellem Entscheidungsverhalten, insbesondere auch bei finanziellen Entscheidungen. Die Literatur zeigt, dass vielen Leuten nicht nur das grundlegende Wissen fehlt, sondern dass sie oft auch Entscheidungen machen, die sie teuer zu stehen kommen.

Wie kann man aber beurteilen, ob eine Entscheidung gut oder schlecht ist? Individuelle Präferenzen spielen oft eine wichtige Rolle. Deshalb kann die gleiche Entscheidung für einige Leute gut, aber für andere schlecht sein. Ein typisches Beispiel im Finanzbereich ist, dass einige Leute gerne viel Risiko eingehen wenn sie wissen, dass sie dafür auch hohe Erträge erwarten können, während andere Leute Sicherheit sehr stark gewichten.

Wie kann man die Entscheidungsqualität also verbessern? Ist das durch Nudges, Regulierungen oder Ausbildung? Was sind unbeabsichtigte Nebeneffekte solcher Interventionen? Und wie kann man messen, ob solche Interventionen erfolgreich sind? Die Frage nach der Qualität von Entscheidungen wird in breiteren Anwendungsgebieten behandelt als Finanzentscheidungen, die ich auch untersuche. Zu letzerem gehört beispielsweise der Effekt von Geldanreizen auf Entscheidungen wie die Teilnahme an medizinischen Tests oder der Eizellspende.

Was möchten Sie den Studierenden vermitteln?

Die Verhaltensökonomie ist für sehr viele Entscheidungen im Leben relevant: Wie sozial sind Leute, wann sind sie ehrlich und wann nicht, welche Fehler machen sie und wie können sie diese Fehler vermeiden. Solche Fragen werden den Inhalt meiner Vorlesungen darstellen.

Abgesehen davon, sind die wichtigsten Dinge, die man an der Uni lernt, sogenannte «Meta-Skills», die wenig mit einem spezifischen Fach zu tun haben: Die Studierenden sollen lernen zu lernen. Das beinhaltet insbesondere beurteilen zu können, wie gut sie etwas verstanden haben, denn in jedem Job wird man immer wieder mit Aufgaben konfrontiert, die neue Lösungsansätze erfordern. Da gilt es Lösungen für Probleme zu finden, die man vorher noch nie gesehen hat. Ausserdem sollen sie lernen, präzis und strukturiert zu denken und ihre Ideen verständlich zu kommunizieren. Über verschiedene Vorlesungen verteilt, werde ich viel dran setzen, den Studierenden diese allgemeinen Fähigkeiten zu vermitteln.

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Das Department of Economics der UZH ist klar das beste in Kontinentaleuropa. Es hat auf der ganzen Welt einen exzellenten Ruf. Ausserdem ist es eine der Geburtsstätten meines Fachs, der Verhaltensökonomie und Experimentalökonomie. Das ist ein intellektuell sehr stimulierendes Umfeld. An dieser Fakultät tätig zu sein, und erst noch in einer Stadt mit einer Lebensqualität wie Zürich, ist ein grosses Privileg. Ausserdem freue ich mich darauf, dass meine Kinder nun in der Nähe ihrer Grosseltern sind und dass ich hier, anders als im flachen Toronto, wieder Mountainbike fahren kann.