3 Fragen an Prof. Jürgen Bernard

Ab dem 1. September 2020 ist Jürgen Bernard Assistenzprofessor für Interacting with Data am Institut für Informatik. In einem Kurzinterview beantwortet er, was er in Forschung und Lehre erreichen möchte.

Wo liegen Ihre Forschungsschwerpunkte? 
Meine Forschungsschwerpunkte liegen an der Schnittstelle zwischen Visueller Datenanalyse, Machine Learning (ML) und Human-Computer Interaction. Immer mehr Unternehmen, Einrichtungen, aber auch Privatpersonen kommen mit ML und AI aktiv in Berührung, was sehr spannend ist! Die bahnbrechenden Erfolge des ML der letzten Jahre zeigen, dass sich viele Datenanalyseprobleme bereits mit einem hohen Grad an automatischen ML Verfahren lösen lassen, man schaue sich beispielsweise die beeindruckenden Fortschritte bei der Erkennung von Bild- und Sprachinformation an. Reines ML stösst jedoch häufig dann an seine Grenzen, wenn Daten und Datenanalyseprobleme komplex, heterogen, facettenreich, nutzerspezifisch und damit nur teilweise automatisierbar sind. 

Meine Lösungen im Bereich Interactive Data Science basieren auf dem Prinzip der Mensch-zentrierten Datenanalyse: Visuelle, interaktive Interfaces ermöglichen es Menschen, aus Daten Wissen zu generieren (Informationsvisualisierung und Visual Analytics), ML-Entscheidungen besser zu verstehen und zu validieren (Explainable und Trustworthy AI), aktiv in den Data Science Prozess einzuwirken (Interaktivität, Human-in-the-loop und Mixed Initiative) und schliesslich nutzerzentrierte und problemorientierte Data Science Lösungen zu designen (User-Centered Design und Design Studies). Durch die geeignete Kombination der Fähigkeiten von Mensch und Maschine wird in Zukunft eine noch deutlich grössere Klasse an Datenanalyseproblemen lösbar sein – da könnten sich für Fragen zur Digitalisierung noch ungeahnte Lösungswege ergeben.
 
Was möchten Sie den Studierenden vermitteln?
Als Studierender habe ich stets Lehrende bestaunt, die neben dem Vermitteln von Inhalten auch Einblicke in Forschungsthemen gaben und diese kompetent, spannend und doch greifbar vermittelt haben. Wie bei meinen beiden Postdoc-Stationen in Darmstadt und Vancouver zuvor, soll die Faszination für die Forschung weiterhin meinen Lehrstil prägen. Im erweiterten Kontext gehen mit der Forschung studentische Fähigkeiten wie die systematische Bearbeitung von Aufgaben, das kreative Erarbeiten von Ansätzen, das kritische Hinterfragen eigener Lösungen, oder das strukturierte Aufschreiben von Ergebnissen einher. Viele meiner früheren Studierenden haben sich zudem auch aktiv in Projekten an der Forschung beteiligen können und nicht selten haben Studierende darüber hinaus an spannenden Publikationen mitgewirkt. Motivation also, die Faszination für die Forschung auch weiterhin zu verbreiten.
 
Worauf freuen Sie sich am meisten?
Die Antwort auf diese Frage ist eindeutig zweigeteilt. Ich freue mich schon sehr auf den Standort, die Universität und im Speziellen auf die Möglichkeiten zur Kollaboration. Hier sei neben den Kollegen am Institut vor allem die Digital Society Initiative erwähnt, dem Prinzip der Zusammenführung heterogener und damit komplementärer Forschungsdisziplinen folgend.

Der zweite Teil meiner Antwort betrifft die Vorfreude auf meine eigene Forschungsgruppe «Interactive Data Science». Gemeinsam mit neuen Doktoranden, Studierenden, Hiwis, Kollegen und Projektpartnern, werden wir spannende Forschungsfragen bearbeiten, Ergebnisse publizieren, Lehrinhalte vermitteln und in Projekten sicherlich den ein oder anderen Mehrwert generieren.