Unsere Alumni: Gabriela Ursprung

Stabilität und Veränderung prägen den Werdegang von Alumna Gabriela Ursprung, Leiterin Corporate Communications und Kulturprozent der Genossenschaft Migros Zürich, gleichermassen. Nachhaltigkeit spielt für sie eine wichtige Rolle – sei es in Bezug auf Kulturförderung, ihre persönliche Entwicklung oder ihr Arbeitsumfeld.

Der Empfangsbereich der Migros-Betriebszentrale an der Pfingstweidstrasse hat 24 Stunden geöffnet, gearbeitet wird im Schichtbetrieb, es herrscht ein Kommen und Gehen. In der angrenzenden Kantine plaudern Lastwagenfahrer mit Damen im Deuxpièces und Anzugträger mit Lehrlingen und Logistikern. Man grüsst sich, gehört zur selben Familie. «Das ist es, was die Migros ausmacht», steigt Gabriela Ursprung ins Gespräch ein.

Der Blick aufs Ganze
Gabriela Ursprung ist seit Herbst 2018 Leiterin Corporate Communications und Kulturprozent der Genossenschaft Migros Zürich. Zwei verschiedene Funktionen, die für Abwechslung sorgen und sich bestens ergänzen. Dass Kulturprozent bei der Migros Zürich keine eigene Kommunikationsabteilung hat, sieht Ursprung als Vorteil.

So komme alles aus einer Hand und es helfe ihr, den Blick aufs Ganze zu bewahren: «Beim Kulturellen sind wir stark mit den Projektleitern im Austausch und pflegen Kontakte, damit wir Schwerpunkte und Partner nicht aus den Augen verlieren.» Voraussetzung dafür ist ein geschärfter Blick für die grösseren Zusammenhänge.

Bild Gabriela Ursprung
«Kulturförderung ist immer auch eine Glaubensfrage», sagt Gabriela Ursprung

Im Spannungsfeld von Kontrolle und Veränderung
Migros-Kulturprozent spielt als einer der namhaftesten privaten Kulturförderer der Schweiz eine wichtige Rolle bei der Entwicklung und Förderung des hiesigen kulturellen und künstlerischen Lebens. «Wenn ich als Künstlerin 60 Prozent meiner Zeit in die Mittelsuche investieren muss, leidet die Kunst darunter», konstatiert Ursprung.

Kulturförderung müsse auf der einen Seite Gewohntes fördern und erhalten, auf der anderen Seite aber auch neue Entwicklungen erfassen. «Wenn wir beispielsweise Gaming auch als Kultur verstehen, ist das zwar eine Bereicherung, das Budget wird dadurch aber nicht grösser», erklärt Ursprung und führt weiter aus: «Förderung heisst auch, einem Projekt auf die Beine zu helfen, eine Öffentlichkeit dafür zu schaffen und es dann in die Freiheit zu entlassen.»

Ihr ist bewusst, dass es sich um einen schmalen Grat handelt, doch mache eben auch dies Nachhaltigkeit aus. Zudem ist die Befriedigung gross, wenn sich für ein Projekt ein Publikum findet, das die Idee trägt und Begeisterung dafür entfacht, sodass sich am Ende Menschen freiwillig dafür engagieren.

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Eine Investition in sich selber
«Wenn man verantwortungsvoll handeln möchte, muss man in langen Zeiträumen denken und das System zuerst von aussen betrachten», hält Ursprung fest. Sie selbst denkt zwar betriebswirtschaftlich, sieht Profit aber nicht als Selbstzweck.

Deshalb fiel ihre Wahl auf den Executive MBA an der UZH: «Ich hatte das Gefühl, die Uni Zürich schafft einen guten Mix zwischen betriebswirtschaftlichen und ganzheitlich nachhaltigen Aspekten. Ich konnte mich deshalb gut mit dem Programm identifizieren und nahm entsprechend viel mit.» Zudem fand sie die Weiterbildung dank der heterogenen und international ausgerichteten Klassenzusammensetzung auch persönlich bereichernd.

Weiterbildung als eine lohnende Investition in sich selbst? «Daran glaube ich stark», gibt Ursprung direkt zurück, was man ihr ohne Zögern abnimmt: Seit ihrer Erstausbildung zur kaufmännischen Angestellten bildete sie sich kontinuierlich weiter und nutzte Chancen, wenn sie sich ergaben. Ein Arbeitgeberwechsel stand dabei nie wirklich zur Debatte: «Es ging immer zur richtigen Zeit die richtige Tür auf, ich konnte mich stetig weiterentwickeln.»

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Risikoaverse Realistin
Den sicheren Job gab sie auch nicht auf, als sie als Moderatorin bei «SwissDate» nationale Bekanntheit erlangte: «Als Realistin hätte das nicht zu mir gepasst.»

Dennoch möchte sie die Zeit nicht missen. «Ich lernte die Mechanismen der Medien kennen. In einem Kommunikationsjob erleichtert das den Alltag enorm. Und es machte mir damals mehr Spass, freitags und samstags fürs Fernsehen zu arbeiten, als die Schulbank zu drücken», fügt sie lachend hinzu.

Wie es nun weitergeht? Ursprungs Vorgänger war mehr als 20 Jahre im Amt, der Übergang war und ist intensiv: «Ich möchte das bestehende System richtig verstehen und die Menschen kennenlernen. Obwohl ich als ehemalige Controllerin durchaus ein Zahlenmensch bin, zählt auch die Leidenschaft, denn Kulturförderung ist immer auch eine Glaubensfrage.»