Unsere Alumni: Maili Wolf

Alumna und OEC ALUMNI UZH Mentorin Maili Wolf hat ihr Medien-Beratungsunternehmen 1996 gegründet – zu einer Zeit, als die Digitalisierung den Medienmarkt noch nicht bedrohte. Wolf berät Verlage und Medienunternehmen in der Schweiz, in Deutschland und Österreich, wobei ihre Dienstleistungen weit über Beratung im klassischen Sinn hinausgehen, da sie auch die operative Umsetzung der entsprechenden Strategien und Projekte betreut. 

Die charismatische Doyenne unter den Verlags- und Medienexperten blickt auf den Wandel in der Medienbranche zurück: «Mit der Digitalisierung ist seit 2000 das Monopol der klassischen Medienunternehmen gefallen und damit auch das Monopol der Herstellung und Verbreitung von Information, Meinung und Markt bzw. Werbung.»

Der Medienmarkt habe sich demokratisiert, jedermann könne heute Informationen, Meinungen und Produkte lokal und global verbreiten. Verleger hätten den Einzug der Digitalisierung lange nicht wahrhaben wollen. Sie bestanden darauf, die Hoheit über die ganze Wertschöpfungskette zu behalten, statt mit neuen, innovativen Akteuren am Markt zu kooperieren.

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«Flexibilität ist auch eine Geschäftsstrategie», sagt Maili Wolf

«Doch im Grunde genommen hat sich gar nicht so viel verändert», konstatiert Wolf. «Den Markt für Information und reflektierte Meinung wird es immer geben! Nur das Finanzierungsmodell und die Marktpartner ändern.»

Auch ihre Arbeit habe sich in den letzten 23 Jahren kaum verändert. Ihr Geschäftskonzept – wobei Wolf darauf besteht, gar kein Geschäftskonzept zu haben – war schon immer, mit den Kunden zu lernen, zu wachsen, den Markt zu beobachten, Wandel zu antizipieren, Massnahmen vorzuschlagen und einzuleiten. Im Vordergrund steht die spannende Aufgabe, nicht der Status auf der Visitenkarte.

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Für Wolf war Selbstbestimmung bereits in jungen Jahren äusserst wichtig. «Ich hatte schon früh die Gabe, zu sagen, unter welchen Bedingungen ich Jobs übernahm, die sonst keiner wollte. Und ich erhielt von meinen Chefs immer wieder die Chance, Neues auszuprobieren.»

Sie war unter anderem sechs Jahre lang in der Geschäftsleitung von Ringier und liebte es, vor Ort mit Kunden spannende Probleme zu lösen und umzusetzen. Der Schritt in die Selbstständigkeit war ein spontaner Bauchentscheid. Maili Wolf erklärt: «Ich konnte auf ein starkes Netzwerk zurückgreifen. Langjährige Mandate basieren auf Vertrauen, und jedes Mandat zieht Folgemandate nach sich.»

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Wolf sieht heute ein besseres Umfeld für Start-ups in der Schweiz. Zwar gebe es viele Vorschriften und Regeln, aber die Finanzierungsmöglichkeiten seien vielfältiger geworden, und die Fehlerkultur sei heute auch in der Schweiz nicht mehr tabu. Das heisst, scheitern werde als Bestandteil des Unternehmertums wahrgenommen.

Jungen Medienunternehmern oder Journalisten steht Wolf manchmal als Coach zur Seite, auch ehrenamtlich. Sie hilft ihnen, einen Weg im sich rasch wandelnden Markt zu finden, und stellt ihr Beziehungsnetz zur Verfügung. Erfolgreiche Start-ups zeichnen sich aus durch Innovationen, die den Kunden einen echten Mehrwert bringen, so Wolf.

Dabei gehe es oft um kleine Dinge. Junge Frauen ermutigt sie, mehr zu wagen und nicht so brav zu sein. Wichtig sei, durchzuhalten trotz Widerständen und Fehlschlägen: «Auf die Schnauze fallen ist o.k., man steht wieder auf.»