Unsere Alumni: Oliver Hofmann (German only)

Von einer Hochbauzeichner-Lehre riet man ihm als Jugendlicher ab, da sich die Immobilien in einer Krise befanden. Also begann Oliver Hofmann seine Karriere bei der Bank. Heute kann er als CEO von Wincasa das Interesse für Immobilien und Finanzen vereinen.

Mit Oliver Hofmann einen freien Termin zu finden, ist eine Herausforderung. Der 44-jährige CEO von Wincasa ist viel unterwegs. Doch vom hektischen Alltag spürt man beim Gespräch nichts. Oliver Hofmann, aufgewachsen in Allschwil BL und heute mit seiner Familie wohnhaft in Horgen ZH, erzählt mit Freude und ohne einen einzigen Blick aufs Handy von vergangenen Erfahrungen und Entscheidungen.

Oliver Hofmanns Berufsweg war vorgezeichnet: Seine Familie hat eine lange Bankentradition. Mit seiner kreativen Ader – die er heute vor allem beim Malen von Bildern auslebt – hätte ihn auch eine Lehre als Hochbauzeichner interessiert, jedoch war die Baubranche Mitte der 80er Jahre ein schwieriges Pflaster. Oliver Hofmann folgte dem Rat der Älteren und entschied sich für eine solide Ausbildung zum Bankkaufmann beim damaligen Bankverein. Was der junge Oliver Hofmann nicht wusste: Der Kreis zum Bauen, zum Bereich Immobilien, sollte sich fünfzehn Jahre später wieder schliessen.

"Wenn ich heute zurückblicke, finde ich es eindrücklich, wie viel sich in den vergangenen dreissig Jahren seit meiner Banklehre verändert hat. Damals hatte man viel Zeit für die einzelnen Anfragen und Prozesse, alles war familiärer. Meine Vorgesetzten waren Banquiers der alten Schule. Für sie galten Schweizer Werte während das heutige Geschäftsumfeld eher angelsächsisch geprägt ist", erinnert sich Oliver Hofmann.

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Im CUREM Pionier-Jahrgang

Nach einigen Jahren in der Finanzabteilung bei IBM Schweiz AG wechselte er in die Corporate Finance der UBS. Wo die Banklehre die Grundkenntnisse lieferte, sorgte die Weiterbildung an der UZH für ein Verständnis der grösseren Zusammenhänge. Es folgte der Bachelor in Economics and Business Administration und 2006, nach rund zwanzigjähriger Berufserfahrung, ein Master of Science in Real Estate (CUREM). Es gab ab dazumal  keine akademische Masterausbildung im Bereich Immobilien. CUREM füllte diese Lücke. Der Studiengang war soeben gegründet worden und Oliver Hofmann gehörte zum ersten Jahrgang. „Das war ein gewisses Risiko. Man wusste ja nicht, ob sich das Programm bewähren würde. Wenn der Studiengang nach dem ersten Jahr wieder aufgegeben worden wäre, hätte der Abschluss kaum einen Wert gehabt. Aber es standen natürlich erfahrene Leute dahinter.“

Entsprechend hoch sei die Identifikation der Teilnehmer mit diesem Masterprogramm gewesen, erzählt Hofmann. Sie gründeten nach Abschluss der 18-monatigen Ausbildung eine Alumni Gruppe, die später in die OEC ALUMNI UZH eingegliedert wurde. "Was für mich CUREM spannend machte, war die interdisziplinäre Ausbildung, die Zusammenhänge, die Verknüpfung mit der Ökonomie, Soziologie, Real Estate, mit Kapitalmarkt orientierten Themen. Das war eine neue Dimension. Und der Blick über den Tellerrand hinaus. Wir hatten Dozenten aus anderen Ländern, was einem erlaubte, den Horizont über die Schweiz hinaus zu erweitern."

Eine wichtige Lektion aus der Studienzeit, die Oliver Hofmann in Erinnerung blieb, ist das Best-Owner-Prinzip: „Wer eine Tätigkeit ausführt, sollte sich fragen: Bin ich die beste Person, die das machen kann? Oder gibt es jemanden besseres? Das ist ein wichtiges Prinzip, das sich auf viele Bereiche anwenden lässt – auch auf Prozesse im Dienstleistungsbereich.“

Oliver Hofmann

Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Immobilien

Die Komplexität des Immobilienmarkts fasziniert Hofmann. Immobilien mögen auf den ersten Blick als einfacher Sektor erscheinen, aber in Wirklichkeit ist der Bereich hoch vernetzt und von vielen Faktoren abhängig. Als Beispiel: Ein soziodemografischer Trend wie die Überalterung hat grosse Auswirkungen darauf, wie gebaut werden muss – in welcher Lage, mit welchem Grundriss und welcher Ausstattung. Das seien spannende Zusammenhänge.

Zudem sei der Immobilienmarkt lange unterschätzt worden. „Ich bin im Jahr 2000 in den Immobilienbereich gerutscht. Damals wurden die ersten Immobilienfirmen börsenkotiert, wodurch es eine Verschmelzung von Real Estate und Finance gab. Es floss viel Kapital in diesen Markt und man begann die grosse volkswirtschaftliche Bedeutung zu erkennen." Eine neue Studie des Bundes beziffert den heutigen Beitrag der Immobilienbranche an der Schweizer Wirtschaftsleistung auf 11 Prozent. .   

Ab 2007 leitete Oliver Hofmann das Real Estate Advisory Switzerland bei UBS. Sechs Jahre späterwurde er vom Verwaltungsrat der Swiss Prime Site AG zum CEO von Wincasa gewählt. "Ich hatte selbstverständlich Respekt vor der bevorstehenden Aufgabe, aber der Übergang verlief gut. Wincasa ist als integraler Immobilien-Dienstleister etabliert und professionell aufgestellt. Zudem war ich ja schon zuvor im Bereich Real Estate tätig. Und für mich persönlich waren die Erfahrungen aus den Grosskonzernen sehr wertvoll, wo man eine gute Fach- und Managementschulung durchläuft und lernt, sich durchzusetzen", erzählt Oliver Hofmann.

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Die Vielfältigkeit des Immobilienmarkts

Als CEO von Wincasa gilt es nun, die kommenden Trends in der Immobilienbranche zu antizipieren. Die demografische Entwicklung sei eine grosse Herausforderung für die Schweiz. Mehr Singles, weniger Familien, mehr ältere Menschen – das schaffe neue Bedürfnisse zum Wohnen. Aber auch Regulierungen und die internationale Geldpolitik spielten in den Schweizer Immobilienmarkt, denn die Art, wie und wo Geld investiert werde, beeinflusse das Preisniveau. Eine Kombination aus Kreativität und Analytik ist für den CEO eine kraftvolle Art, um Herausforderungen anzugehen. Man müsse es wagen, out-of-the-box zu denken, um neue Lösungen zu finden.

Seinen Führungsstil beschreibt er als partizipativ. Und er ist überzeugt vom Potenzial der Schwarmintelligenz: "Es ist wichtig, dass ich weiss, wohin ich die Firma bringen will. Aber der Weg dahin führt über das Team." Die Möglichkeit für Mitarbeiter, sich aktiv zu beteiligen, kombiniert mit flexiblen Arbeitsmodellen, Weiterbildungsmöglichkeiten und tech-affinen Bereichen, sei auch wichtig, um ein attraktiver Arbeitgeber zu bleiben.    

Die Aus- und Weiterbildung an der Uni Zürich  liegt einige Jahre zurück, doch der Wissenserwerb geht in anderen Formen stetig weiter. Nach rund zwei Jahren in der jetzigen Position lerne er noch viel "on the job". Und die Möglichkeiten sich weiterzubilden, seien fast unendlich: "Derart viele Faktoren haben Konsequenzen für die Immobilienbranche, von soziodemografischen Trends über volkswirtschaftliche Entwicklungen bis hin zur Psychologie. Jede strukturelle Veränderung hat einen Einfluss darauf, wie die Menschen in Zukunft wohnen. Da gilt es wach zu bleiben. Gerade das macht meinen Job so interessant."