Wissenschaftlicher Nachwuchs

Eine wichtige Aufgabe der Fakultät ist die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Zur Zeit studieren über 3'300 Hauptfach-, rund 900 Nebenfach- und rund 350 Doktoratsstudierende an unserer Fakultät. Zudem lehren und forschen bei uns zahlreiche Postdocs und Assistenzprofessoren.

Nachwuchsförderung durch Semester-, Jahrespreise und Mercator Awards

Alle Fakultäten der UZH sind berechtigt, jedes Semester hervorragende Arbeiten mit einem Semesterpreis im Betrag von je CHF 600 auszuzeichnen.

Semesterpreis

Pro Kalenderjahr kann jede Fakultät der UZH kann eine hervorragende wissenschaftliche Arbeit oder Dissertation mit dem Jahrespreis von CHF 5‘000 auszeichnen.

Jahrespreis

Innovative Forschung von morgen beginnt mit den Nachwuchsforschenden von heute. Der Graduate Campus (GRC) und die Stiftung Mercator Schweiz möchten deshalb die herausragenden Leistungen der jungen Forschenden an der Universität Zürich (UZH) würdigen und sie verstärkt ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken.

Mercator Awards

Gerne stellen wir Ihnen nachfolgend einzelne Preisträgerinnen und Preisträger unserer Fakultät vor.

Dr. Timo Mennle

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Mercator Award 2017 für Dissertation

"Incentives and Efficiency in Markets without Money"

Märkte ohne Geld

Es gibt Dinge, die kann man nicht kaufen: Plätze an öffentlichen Schulen etwa oder Zugang zu sozial gefördertem Wohnraum. Solchen «Märkten ohne Geld» hat Timo Mennle seine Dissertation am Institut für Informatik gewidmet. Er ging der Frage nach, wie sich Güter auf solchen Märkten sinnvoll verteilen lassen, wenn Geld aus moralischen oder ethischen Gründen keine Rolle spielen darf.

Wenn beispielsweise in einer Stadt 1000 angehende Gymnasiasten auf zehn Gymnasien verteilt werden müssen, widerspricht es unsere moralischen Vorstellungen, dass Eltern mit genügend Geld den jeweiligen Wunschplatz für ihren Sohn oder ihre Tochter kaufen können. Städte und Gemeinden setzen deshalb unterschiedliche Vergabeverfahren ein, um die Präferenzen der Eltern zu ermitteln und die Plätze zu verteilen.

Je nach Verfahren besteht allerdings die Gefahr, dass einige Teilnehmer sich durch unwahre Angaben einen Vorteil verschaffen können – etwa indem sie ihre Wertschätzung für ihre zweite Wahl übertreiben. «Die große Herausforderung von «Märkten ohne Geld» besteht in der mathematisch beweisbaren Tatsache, dass es kein Vergabeverfahren gibt, welches hohe ökonomische Effizienz und Fairness sicherstellen und gleichzeitig verhindern kann, dass sich Teilnehmer durch unwahre Angaben einen Vorteil verschaffen können», sagt Timo Mennle.

In seiner Dissertation hat er diesen Zielkonflikt untersucht und einen Indikator entwickelt, mit dem sich beschreiben lässt, wie verwundbar unterschiedliche Vergabeverfahren gegenüber strategischen Lügen durch Teilnehmer sind. Darüber hinaus hat Mennle in seiner Arbeit aufgezeigt, wie sich die Regeln in «Märkten ohne Geld» in Zukunft so umbauen lassen, dass mehr Teilnehmer die Güter bekommen, die sie wirklich wollen.

Zur Dissertation (PDF, 2608 KB)

Zur Videopräsentation

Dr. Mirjam Rinawi

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Jahrespreis 2017 für Dissertation

In ihrer Dissertation untersuchte die Jahrespreisträgerin mithilfe neuer ökonometrischer Methoden die Erträge der Lehrlingsausbildung.
 

Für ihre Dissertation am Institut für Betriebswirtschaftslehre «Returns to Vocational Education and Training: Retention, Mobility, and Wages» wurde Dr. Miriam Rinawi von der Universität Zürich mit dem Jahrespreis 2017 ausgezeichnet. Frau Rinawi untersucht in ihrer Dissertation mithilfe neuer ökonometrischer Methoden die Erträge der Lehrlingsausbildung. Sie zeigt, dass ein Lehrabschluss sehr gute Erträge ermöglicht und eine hohe Mobilität sowie technologische Anpassungsfähigkeit im gesamten Erwerbsleben eröffnet. Sie findet ausserdem, dass sich Investitionen in die Lehrlingsausbildung auch für Ausbildungsbetriebe lohnen.

Dissertation folgt

Lessis Konstantinos

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Semesterpreis HS 2016 für Masterarbeit

«Falschbewertung mit Folgen – Ursachen für das Fehlverhalten der Ratingagenturen in der jüngsten Finanzkrise»

Interview mit Konstantinos Lessis über seine Masterarbeit am Institut für Banking und Finance:

Worum geht es in Ihrer Arbeit?

Die Ratingagenturen spielten in der Entstehung der Finanzkrise 2008 eine zentrale Rolle. Ihre Ratings ermöglichten die Überflutung des Finanzmarkts mit hochriskanten Finanzprodukten. In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit der Frage, wieso die Ratingagenturen toxische Produkte mit inflationären Ratings bewerteten. Die Fragestellung wird dabei aus zwei Perspektiven betrachtet. Einerseits aus der Makroperspektive, wobei der Fokus auf der unternehmerischen Ebene liegt und andererseits aus der Mikroperspektive, in der im Gegensatz zur Makroperspektive die involvierten Individuen  und psychologische Phänomene im Vordergrund stehen.

Was hat sie zu dem Thema motiviert?

Ausschlaggebend für meine Entscheidung, mich mit der Thematik der Finanzkrise zu befassen, war die Vorlesung „Verantwortung in den Finanzmärkten – Eine interdisziplinäre Perspektive“. Die Art und Weise, wie die Finanzkrise aus mehreren Perspektiven betrachtet wurde, inspirierte mich zu einer zweiseitigen Ursachenermittlung der Überbewertungen. Die schwerwiegenden Folgen der Finanzkrise zeigen zudem, wie wichtig die Auseinandersetzung mit den einflussreichen Ratingagenturen ist.

Was haben Sie mit den 600 Franken vor?

Mit einem Teil des Geldes habe ich Kollegen, mit denen ich das Wirtschaftsstudium abgeschlossen habe, zum Essen eingeladen. Mit dem restlichen Betrag werde ich meinen Eltern als Dankeschön eine kleine Reise finanzieren.

Zur Masterarbeit

Silvia Ursula Maier

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Semesterpreis FS 2016 für Doktorarbeit

«Mastering temptation: Behavioral, neural and physiological investigations of self-control in goaldirected choice»

Interview mit Silvia Maier über ihre Doktorarbeit in Neuroökonomie am Institut für Volkswirtschaftslehre:

Worum geht es in Ihrer Arbeit?

Selbstkontrolle ist eine Schlüsselkompetenz, die entscheidenden Einfluss auf den Lebenserfolg einer Person hat. Im Schnitt verfügen Menschen mit besserer Selbstkontrolle über grösseren Bildungserfolg, mehr finanzielle Stabilität und bessere Gesundheit. In meiner Forschung untersuche ich, welche neuronalen Mechanismen zu erfolgreicher Selbstkontrolle beitragen. Wie gut sich eine Person selbst beherrscht ist allerdings zwischen Individuen sehr unterschiedlich, und selbst die gleiche Person kann diese Fähigkeit je nach Situation unterschiedlich gut abrufen.

In meiner Doktorarbeit habe ich erstens getestet, ob eine bestimmte Hirnregion kausal notwendig ist um Selbstkontrolle erfolgreich ausüben zu können. Zweitens hat mich interessiert, warum sich Stress negativ auf unsere Selbstkontrolle auswirkt. Und drittens habe ich erforscht, wie man die Selbstkontrollfähigkeiten einer Person besser vorhersagen kann. Es hat sich gezeigt, dass die Herzratenvariabilität als Biomarker dienen könnte: Je flexibler sich der Herzschlag an Herausforderungen anpassen kann, desto besser ist auch die Selbstkontrolle.

Was hat sie zu dem Thema motiviert?

Als Neuroökonomin bewege ich mich an einer Schnittstelle zwischen neurowissenschaftlicher Grundlagenforschung und ökonomischen Fragestellungen, die in letzter Konsequenz ganze Gesellschaften betreffen. Dieser Dialog zwischen den Disziplinen ist sehr spannend – zum einen weil es mich fasziniert, zu erforschen wie unser Gehirn funktioniert, aber zum anderen auch weil diese Schlüsselkompetenz der Selbstkontrolle, die ich untersuche, weitreichende Einflüsse hat. Selbstkontrolle ist eine komplexe Fähigkeit, die aus vielen Bauteilen besteht. Ich möchte gerne eine bessere Theorie und Prognosemöglichkeiten entwickeln, worin diese Fähigkeit besteht und wie jemand sie verbessern kann.

Was haben Sie mit den 600 Franken vor?

Die wandern erst einmal aufs Sparbuch. Ich plane meinen nächsten Postdoc im Ausland zu machen, da ist eine kleine Rücklage für Heimflüge nach Zürich sehr nützlich.

Zur Doktorarbeit