Prof. Dr. Anne Scherer

Anne Scherer ist Assistenzprofessorin für Quantitative Marketing am Institut für Betriebswirtschaftslehre und Projektleiterin im Rahmen des universitären Forschungsschwerpunktes „Social Networks“. In ihrer Forschung untersucht sie die psychologischen, verhaltenstechnischen und gesellschaftlichen Konsequenzen der zunehmenden Digitalisierung und Automatisierung. Vor ihrer Tätigkeit an der UZH war sie Post-Doc am Lehrstuhl für Technology Marketing an der ETH Zürich und forschte an der Technischen Universität München, wo sie ihren PhD mit Auszeichnung abschloss.

Kurzinterview mit Prof. Dr. Anne Scherer

Was war ausschlaggebend für Ihre Laufbahnentscheidungen?

Schon früh hatte ich eine gewisse Vorstellung davon, was ich aus meinem Leben machen oder was ich erreichen will. Tatsächlich ist dann allerdings vieles ganz anders gekommen. So hatte ich zum Beispiel nie den Plan Professorin zu werden. Wie sagt man so schön: Life is what happens, when you are busy making other plans. Hätte mich jemand zur Schulzeit gefragt, ob ich im Marketing arbeiten möchte, hätte ich wahrscheinlich auch nein gesagt. Während des Studiums habe ich allerdings eine Vorlesung zum Konsumentenverhalten besucht, die ich so interessant fand, dass ich mich entschieden habe, in diesem Bereich zu promovieren. Ähnlich hatte ich immer die Vorstellung nach dem Doktorat in die Industrie zu wechseln, bis ich festgestellt habe, wie viel Spass mir Forschung und Lehre bereiten. Rückblickend würde ich daher sagen, dass für mich Spass an der Arbeit und Passion für das Themengebiet entscheidend für meine Laufbahnentscheidungen waren.

Auf welche Leistung in Ihrem Leben sind Sie besonders stolz?

Es gibt für mich nicht die eine Leistung in meinem Leben, auf die ich besonders stolz bin. Ich bin stolz darauf, wo mich mein Weg hingebracht hat. So gesehen bin ich stolz darauf, dass ich mich immer weiterentwickelt und den nächsten Schritt gewagt habe, um mit den Aufgaben zu wachsen. Wenn ich allerdings eine „Leistung“ herauspicken müsste, die mich in meinem Leben wohl am meisten positiv und nachhaltig beeinflusst hat, dann wäre das wohl meine Entscheidung mit 17 Jahren ein Schuljahr in den USA zu verbringen. Dort musste ich lernen selbstständig und ohne mein gewohntes soziales Umfeld mit Herausforderungen und Problemen umzugehen. Das Gefühl, diese Herausforderungen auch alleine meistern zu können, hat mein Selbstvertrauen nachhaltig gestärkt und mir damit Wege ermöglicht, die ich mir zuvor nicht so leicht zugetraut hätte.  

Wo holen Sie sich Inspiration für Ihre Tätigkeiten?

Inspirationen kommen, wenn man über den Tellerrand schaut. Da ich an einem Forschungsthema arbeite, das nicht nur für die Marketing-Disziplin relevant ist und rasanten (technologischen) Entwicklungen unterliegt, besuche ich auch Tagungen ausserhalb meiner Disziplin oder auch Industrieevents und Startup Talks. Viele Inspirationen kommen aber auch beiläufig auf Reisen oder im Alltag. Im Sinne von "research is me-search" beobachte ich mein Verhalten häufig in verschiedensten Situationen. Oft ertappe mich dann selbst bei einer Entscheidung oder einer Reaktion, die mich überrascht oder retrospektiv nicht immer rational erscheint. Genau solche Situationen führen für mich dann oft zu sehr interessanten Forschungsfragen.

Was denken Sie, wodurch wird sich unsere Fakultät in fünf Jahren auszeichnen?

Auch wenn ein Blick in die Kristallkugel immer reizvoll ist, gebe ich ungerne Einschätzungen über zukünftige Entwicklungen. Immerhin haben sich hier schon die schlauesten Köpfe getäuscht. Meine Hoffnung wäre, dass die Fakultät sich in fünf Jahren durch eine führende Rolle zum Thema Digitalisierung auszeichnet und dieses Thema nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Lehre deutlichen Einzug findet. Da Digitalisierung ein Thema ist, das viele Disziplinen unserer Fakultät tangiert, würde ich mir zudem wünschen, dass die einzelnen Disziplinen noch stärker zusammenwachsen.

Was würden Sie einer heutigen Maturandin oder Studentin generell mit auf den Weg geben?

Viele junge Frauen handeln und entscheiden auch heute noch viel zu sehr auf Basis von gesellschaftlichen Konventionen und Erwartungen. Ich selbst habe am Anfang meiner Karriere rückblickend viel zu stark darauf geachtet, vermeintlich vernünftige Entscheidungen zu treffen. Glücklicherweise bin ich heute in einem Feld gelandet, das mir unglaublich viel Freude bereitet. Das muss aber nicht immer so sein. Studentinnen möchte ich ans Herz legen, viel mehr ihrer Passion nachzugehen und sich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen. Rückschläge hat jeder im Leben. Erfolg unterscheidet sich von Misserfolg viel dadurch, dass man nicht gleich aufgibt, sondern daraus lernt.